Buch-Tipp: Der Geschmack von Apfelkernen

Mit ihrem Debütroman ist Katharina Hagena auf Anhieb ein Bestseller Buch-Tipp gelungen, 250.000 verkaufte Exemplare sprechen da eine ganz eindeutige Sprache.

Erzählt wird die Geschichte von Iris, die nach Jahren der Abwesenheit das Haus ihrer Großmutter durchstreift, in dem sie früher als Kind unzählige wunderbare Sommer verbracht hat. Iris taucht ein in das Meer der Geschichten, die das Haus erzählt. Die Rückkehr ist gleichsam auch Erinnerung an Dinge, die bislang – gewollt oder ungewollt – im Vergessenen gelegen haben.

Von einer Woge Vergangenheit überrollt, versinkt Iris in den andeutungsvollen Erzählungen ihrer Tanten, Erinnern an Verkleidungsspiele mit ihrer Cousine, Gedanken an den einst verträumten heute völlig verwilderten Garten, Sehnsucht nach ihrer jüngst verstorbenen Großmutter Bertha. Und darüber kommen die Fragen: Weiß sie wirklich etwas über den Großvater? Darüber was er vor dem Krieg tat? Auch über ihre Tanten und Mutter und deren verworrene Liebesgeschichten weiß sie nicht viel. Ebenso wenig über das, was wirklich in der Nacht geschah, als Rosemarie, ihre Cousine, den Unfall hatte. Sie versucht sich abzulenken, Entscheidungen hinaus zu zögern. Wände streichen und Jugendfreund küssen hilft aber dennoch nicht. Das Erbe des Hauses ruft und die Familiengeschichte schweigt auch nicht still.

Fast könnte man meinen, Katharina Hagena zeichnet hier eine Familiensage in Fredrikssonscher Manier. Zwar ist ihr Stil ebenso poetisch wie tiefgehend, aber der Duktus ist dennoch ein völlig anderer. Die unterschwellige Ironie Hagenas macht die tragische Tragweite dieser Familiengeschichte gleichermaßen erträglich wie zugänglich und zieht den Leser in den Bann von Ereignissen, die das Leben selbst nicht besser schreiben könnt